Beschäftigte bleiben standhaft

Update zu den Tarifvertragsverhandlungen der UMG Gastronomie

 

Foto: Bastian Tölke
Foto: Bastian Tölke

von Bastian Tölke

 

Göttingen. Ein gutes halbes Jahr ist seit Beginn der Auseinandersetzungen um einen Haustarifvertrag in der Gastronomie GmbH der Uni-Klinik vergangen. Rekapitulieren wir einmal: Die Vermarktlichung des deutschen Gesundheitswesens führte zu steigendem wirtschaftlichen Druck; auch auf die UMG, die daraufhin meinte, Kosten durch die Ausgliederung der Essensversorgung in eine Tochterfirma sparen zu müssen. Neben 80 Alt-Beschäftigten arbeiten so seit 10 Jahren gut 200 Beschäftigte bei der Tochterfirma UMG Gastronomie GmbH und beklagen nach neusten Berechnungen eine Lohndifferenz von gut 40% im Vergleich zu den Alt-Beschäftigten.

 

Laut dem zuständigen ver.di Fachsekretär Patrick von Brandt kommen bei der größten Beschäftigtengruppe Vollzeitkräfte auf 1.619 Euro brutto und Teilzeitkräfte auf 810 Euro brutto. Was netto davon übrigbleibt kann nicht ausreichen, um eine Familie zu unterhalten, weshalb viele Beschäftigte beim Amt aufstocken müssen – eine Belastung für den Staat, eine Demütigung für die Betroffenen und ein skandalöser Umgang der Arbeitgeber mit den MitarbeiterInnen.

 

Aber wie ist nun der aktuelle Stand? Nach zähen Verhandlungen wurde ein inoffizielles Angebot der Arbeitgeberseite inzwischen offiziell und in unterschiedlichen Varianten präsentiert: im Schnitt 15% mehr Lohn – wohlgemerkt über zwei bis fünf Jahre. Dies kann als deutlicher Zuwachs gewertet werden, gleichwohl würde es bei Aufstöcker-Löhnen bleiben, die Altersarmut („Grundsicherung im Alter“) wäre weiter garantiert und der Abstand zum Tarifniveaus des TVL kaum verringert. Kalkuliert man die künftigen Inflationsraten mit ein, ergibt sich also alles in allem noch keine signifikante Verbesserung der Gehaltssituation. Berücksichtigt man zudem das Fehlen einer spürbaren Jahressonderzahlung, einer Betriebsrente oder anderen Sonderleistungen, leuchten das Durchhaltevermögen und die Unnachgiebigkeit der Gastro-Beschäftigten augenblicklich ein. Denn diese bleiben standhaft und wollen weiter kämpfen.

 

Im Februar gab es sogar schon zwei ganztägige Warnstreiks, bei denen die Beschäftigten ihren Forderungen lautstark und unmissverständlich Nachdruck verliehen. Unterstützung kam dabei vom Göttinger Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin, der die Forderung nach einer Lohnangleichung auf dem Niveau des Tarifvertrags der Länder öffentlich teilt. Ebenso erklärten Gabriele Andretta (SPD) und Jutta Krellmann ihre Solidarität, letztere nahm sogar an einer Streikdemonstration teil. Es bleibt abzuwarten, ob die Arbeitgeber das Signal der Beschäftigten ernstnehmen und sich der sozialen Verantwortung ihnen gegenüber bewusst werden. Entscheidend scheint, ob der UMG Vorstand der eigenen Tochterfirma einen größeren Verhandlungsspielraum ermöglicht, auf dass diese angemessene und armutsfeste Löhne zahlen kann!

 

Wir werden weiter berichten ...

 

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