Von Quantenteilchen und Zikaden

Haben wir uns nicht schon immer gefragt, wie das Sexualleben der Windenglasflügelzikade aussieht? Oder, ob es böse Quantenteilchen gibt? Die längst überfälligen Antworten auf diese Fragen gaben vergangenen Freitag sechs wortgewandte Wissenschaftler beim Göttinger Science Slam im ausverkauften Adam-von-Trott-Saal in der Alten Mensa.

 

Die Regeln des Science Slams sind simpel: Jeder Teilnehmer hat 10 Minuten Zeit, seine Forschung einem weitestgehend unbedarften Publikum vorzustellen. Erlaubt ist dabei alles. Humor ist bevorzugt. Hinterher bewertet das Publikum. „Ich hätte auch nackt slammen dürfen“, erzählt Erwin In het Panhuis, Historiker aus Köln und zuständig für den unbewerteten Warm-Up Act des Abends. „Nach den Slam-Regeln wäre das erlaubt.“ Nichtsdestotrotz hat er sich dagegen entschieden und seinen Vortrag „Schwule in Köln und Umgebung 1895 bis 1918“ schlicht mit „raffinierter grafischer Darstellung“ versehen.

 

Die erste Bewertung erhielt der theoretische Physiker Christoph Sträter aus Dresden, der auf der Suche nach bösen und guten Quantenteilchen die Liebesgeschichte von Hans und Greta, einem wechselwirkenden Quantenteilchen-Paar erzählte. Es folgten BWLer David Matusiewicz aus Essen, der dem Publikum einen Einblick in den Kleiderschrank und den Floskelreichtum eines Wirtschaftswissenschaftlers bot, der Braunschweiger Psychologe Marcus Friedrich, der seine Forschung genutzt hat, um durch „arousel-gerechtes Auflegen“ ein besserer DJ zu werden und Physiker Matthias Mader aus München, bei dem nicht nur der Vortrag über die Funktionsweise eines Lasers, sondern auch sein Dialekt dem Publikum einiges an Gehirnschmalz abverlangt hat. Zum Abschluss kehrte die Gründerin des Göttinger Science Slams Kirsten Schulz auf die heimische Bühne zurück und räumte mit romantischen Vorstellungen über Diamanten auf.

 

Den deutlichen Sieg und einen tosenden Jubel der etwa 250 Zuschauer konnte am Ende des Abends die Stuttgarterin Susanne Grube für sich beanspruchen. Während ihres Vortrags zum bizarren Sexualleben der Windenglasflügelzikade veranschaulichte die Entomologin mit vollem Körpereinsatz (wir erinnern uns: alles ist erlaubt) das Balzverhalten des Insekts und sammelte bei der Bewertung durch das Publikum Höchstwertungen ein. Der Slam in Göttingen war bei weitem nicht Susannes erster: „Ich bin eher unfreiwillig dazu gekommen. Das Naturkundemuseum in Berlin, in dem ich früher gearbeitet habe, veranstaltet jedes Jahr einen Science Slam. Irgendwann hat mich ein Kollege einfach angemeldet.“ Das ist jetzt knapp dreieinhalb Jahre her. Seitdem konnte sie bereits um die 20 Geo-Abos, der gängige Preis für den ansonsten meist unbezahlten Wettbewerb, abstauben. Wo sie das nächste Mal den Balztanz der Zikade auf die Bühne bringen wird, weiß sie noch nicht. „Ich komme überall da hin, wo es Geld, Schokolade und nette Männer gibt“, lachte die Wissenschaftlerin.

 

Die Veranstaltung war Teil des Begleitprogramms der Ausstellung „on/off. Vom Nobelpreis und den Grenzen der Wissenschaft“, die noch bis zum 28. Mai in der Alten Mensa besucht werden kann. Die nächste Möglichkeit zum humorvollen Dazulernen gibt es in Göttingen bereits in zwei Monaten. Am Freitag, 16. Juni, findet im ZHG der nächste Science Slam statt.

kf

 

Haben die Zuschauer ein Quäntchen schlauer gemacht: (v.l.) Co-Moderator Thorben Schulte, David Matusiewicz, Marcus Friedrich, Matthias Mader, Co-Moderator Tobias Glufke, Kirsten Schulz, Gewinnerin Susanne Grube und Christoph Sträter.
Haben die Zuschauer ein Quäntchen schlauer gemacht: (v.l.) Co-Moderator Thorben Schulte, David Matusiewicz, Marcus Friedrich, Matthias Mader, Co-Moderator Tobias Glufke, Kirsten Schulz, Gewinnerin Susanne Grube und Christoph Sträter.

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Ausgabe Juni 2017

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